Park-Malheur mit Zornesröte

Ich habe neulich widerrechtlich auf einem Kirchenparkplatz geparkt. Das wusste ich nicht, denn das „Privatparkplatz – Parken verboten“-Schild hing an einem Bauzaun, der ca. 150 Meter vom Parkplatz entfernt stand. An der eigentlichen Einfahrt war kein Schild zu sehen. Nichtsahnend stieg ich aus dem Auto aus, als über den ganzen Platz rüber jemand etwas brüllte. Ich verstand nichts, war mir auch eigentlich sicher, dass diese Person nicht mich anbrüllte. Ich hatte ja, meines Wissens, nichts falsch gemacht. Doch er meinte mich. Und schon kam er zeternd auf mich zu, was ich mir denn erlauben würden, dass der Abschleppdienst sehr teuer werden würde und was das überhaupt alles soll. Ich versuchte ihn zu beruhigen, versuchte zu erklären, dass ich kein Schild gesehen hätte. Aber der Mann war richtig wütend. Mit einem zornigen „Der Parkplatz gehört der Kirche!“ stapfte er davon, und ich suchte mir einen neuen Parkplatz.

Wär ich kein Christ, hätte mir dieses Szenario zum Thema „Kirche“ den Rest gegeben. Von wegen Nächstenliebe. Aber ich bin Christ und deswegen verzeihe ich dem Mann seine grobe Art. Wer weiß, vielleicht hatte er sowieso einen Scheiß-Tag und da bringt dann ein widerrechtliches Park-Malheur sein Fass zum Überlaufen.
Wie geben wir Christen uns in dieser Welt? Leben wir so, wie Jesus auch auf der Erde gelebt hat? Ist das in einer Welt mit Verboten und Gesetzten, mit StVo und StGB, mit Intoleranz und Rassenfeindlichkeit, mit Parten wie AfD, mit schlechten Sozialsystemen und fehlender Bildung, mit Hungersnöten und Sklaverei überhaupt möglich? Ich glaube: Ja, ist es.

Jesus hätte in der oben beschriebenen Situation sehr wahrscheinlich sehr anders gehandelt. Statt zornig zu werden, hätte er mich in den nächsten Gottesdienst eingeladen. Statt zu schimpfen, hätte er mir angeboten, die halbe Stunde, die ich benötigte, einfach dort stehen zu bleiben. Vielleicht hätte er mir noch Wein oder frisch zubereiteten Fisch angeboten. Auf jeden Fall hätte er die kurze Begegnung mit mir genutzt, um Nächstenliebe und Güte zu praktizieren. Wenn ich zukünftig in einer Situation bin, in der ich einen „Parkplatz verteidigen“ muss, dann möchte ich mir das zu Herzen nehmen: Erstmal zuhören, dann reden, erstmal verstehen, dann urteilen, erstmal gemeinsam essen, dann Probleme lösen. ✿

Einfach nur die Wahrheit

Neulich waren wir bei Freunden zu Besuch. Sie haben drei Kinder, der Mittlere wird bald 3 Jahre alt. Er spielte mit seiner zu Weihnachten geschenkt bekommenen Holzeisenbahn im Wohnzimmer. Plötzlich stand er vor seiner Mama, streckte ihr den Zeigefinger entgegen und sagte laut: „Ich hab Kacka.“ Das war deutlich zu sehen, sein Zeigefinger hatte offensichtlich diese Erkenntnis als erster. Ich war dankbar, dass ich nicht „Mama“ war.

Diese Situation brachte mich zum Schmunzeln – und zum Nachdenken. Für den Kleinen war es ganz selbstverständlich, dass Mama helfen würde – und dass es okay war, wenn er deutlich machte, was Sache war. Natürlich sollte er sich nicht in der Windel herumwischen – daran arbeiten sie noch. Aber die Tatsache, dass er tatsächlich Kacka (am Finger) hatte, war ihm weder peinlich noch verstand er, warum die Erwachsenen lachen mussten. Er hat doch einfach nur die Wahrheit gesagt!

Wann sagen wir „einfach nur die Wahrheit“? Schmücken wir sie nicht immer mal hier und da aus? Oder lassen etwas weg? Warum sind uns manche Dinge so peinlich, dass wir sie nicht aussprechen können? Was hindert uns daran, wieder wie ein Kind ehrlich zu sein? Und vor allem wieder wie ein Kind Vertrauen in andere Menschen zu haben? Dass sie es schon gut mit uns meinen und uns helfen? Manchmal ist Erwachsen sein (und werden) echt „Kacka“.

Ich möchte mir den Sohn unserer Freunde zum Vorbild nehmen. Nicht, was die Ankündigung der Toilettenbedürfnisse angeht, das wär wohl nicht gesellschaftskonform. Aber was seine Ehrlichkeit, seine Unbekümmertheit und sein Vertrauen angeht. Einfach nur die Wahrheit sagen. Dann wirds schon klappen. ✿

Was wäre, wenn …

Was wäre, wenn Jesus heute in unsere Welt kommen würde?
– Ein Gedankenspiel

In einer Welt der Globalisierung und der Sozialen Medien wird es sich sicher sehr schnell rumsprechen. So die Theorie. Doch wer wird sich tatsächlich für ein Baby einer unverheirateten Minderjährigen interessieren, das irgendwo in irgendeiner heruntergekommenen Wohnung zur Welt kommt?

Falls sich – wie damals – Engel zeigen und die frohe Botschaft verkünden, dann werden die Zeugen sicherlich mit „zu viele Drogen genommen“ oder „Diagnose: Verrückt, Therapie: Irrenanstalt“ belächelt. Bestimmt gibt es einige Anhänger, einige „echte“ Gläubige. Die werden dann vielleicht die Reliquien sammeln und sie anbeten, statt dem Baby zu huldigen.

Sicherlich möchte ein nicht namentlich aufgeführter Fernsehsender eine Story daraus machen, Jesus und seine Familie in eine Reality-Soap einbinden. Natürlich gegen eine Entschädigung – vielleicht nicht unbedingt Gold, Weihrauch und Myrrhe,  aber irgendein Honorar wird schon drin sein. Davon kann das junge Paar sich bestimmt mehr als nur eine Futterkrippe als Babybett leisten.

Vielleicht haben Maria und Josef auch einen eigenen YouTube-Kanal. Dort könnten sie einen Vlog über die Hausgeburt machen. Oder Thema „Jungfrauengeburt: Wie geht das?“ Josef macht dann ein Q&A mit all den brisanten kommentierten Fragen und Maria blogt nebenher noch zum Thema „teen-Mom“. Sicherlich muss dann auch erstmal über Jesu Gender diskutiert werden: Ist es nicht frauenfeindlich, dass Jesus ein Mann sein soll?

Ein König, der in einer demokratischen Republik geboren wird – das gibt mit Sicherheit Ärger. Aber er ist ja dann König der ganzen Welt: Wer bringt das dem Präsidenten der Vereinigten Staaten bei?

Würden Jesu Wundertaten, Heilungen und Verkündigung eines Tages Menschen in dieser Welt zur Umkehr bewegen? Oder sind wir alle zu freigeistig, zu aufgeklärt, zu tolerant, zu desinteressiert, zu individualistisch, zu modern um eine Botschaft der Liebe, der Vergebung und der Rettung für uns in Anspruch zu nehmen? ✿

Nein. Einfach nein.

„Und, wann bekommt ihr Kinder?“
Warum interessiert das mein Gegenüber eigentlich so vehement? Ich habe das Gefühl, dass in jeder Lebenslage immer irgendein Thema das vorherrschende ist. Und dieses Thema spricht dann einfach jeder in jedem Freundes- und Bekanntenkreis an. „Und, was machst du nach dem Abitur?“ „Und, was studierst du gerade?“ „Und, wann heiratest du?“ „Und, wann baut ihr ein Haus?“ Als hätte man gerade sonst nichts zu erzählen.

Okay, ich überspitze das ein wenig. Ich freue mich über die Menschen in meinem Umfeld, die sich für mich interessieren und nachfragen. Und ich kann ja auch nicht in jeden Kopf reinschauen und die Intention der Fragen erkennen – bestimmt meint mein Gegenüber es nicht böse. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass solche Fragen eine Art Bespitzelung oder Kontrolle beinhalten. Warum muss ich mich rechtfertigen für den Lebensstil, für den ich mich entschieden habe? Warum muss alles immer einen Grund haben? Warum sind Menschen immer so mega neugierig?

Wer jetzt denkt „Nun sagt sie aber doch bestimmt, wann sie endlich Kinder bekommt und wie ihre Zukunft aussieht, würde ja jetzt passend“, den muss ich enttäuschen. Es gibt einfach Dinge, über die ich nicht sprechen möchte, einfach weil ich sie selbst noch nicht geklärt habe. Das wär dann echt kontraproduktiv, ein Rumgeeiere, ein Rumgestottere. Mein Wunsch wäre, dass Smalltalk eben solcher bleibt und nicht genau die Stellen in meinem Leben beleuchtet, die gerade eher verdeckt bleiben wollen. Aber das kann ja niemand wissen.

Ich werde mir einfach Plakate basteln. Dort stehen dann so Standard-Antworten drauf, wie „Willst du für meinen Hausbau spenden?“ „Ich kann nicht in die Zukunft sehen!“ „Nein. Einfach nein.“ „Kinder sind toll, schaff du dir einfach welche an!“ ✿

Gender-Sternchen

Liebe*r Leser*innen,
diesen Blogbeitrag möchte ich dem spannenden Thema „Genderwahn“ widmen. Wobei „Wahn“ direkt schon meine Meinung zu diesem Thema impliziert. Also nennen wir es doch lieber „Genderdiskussion“. Wobei … Es ist mein Blog und meine Regeln: Willkommen zur Diskussion zum Thema „Genderwahn“!

Ich bin eine weibliche Person, das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Stolz bin ich darauf nicht – denn ich kann da nichts für, das war kein Eigenverdienst. Aber schön ist es trotzdem, ich fühle mich wohl, so wie ich bin (Scheiß auf die Bikinifigur!). Allerdings ist es für mich nicht elementar wichtig, dass jede*r mitbekommt, dass ich eine Frau bin. Ich bin eine Frau, ja, aber ich bin auch noch so viel anderes: Christin, Ehefrau, Freundin, Schwester, Tochter, Tante, Kollegin, … Und alles davon entspricht mir, macht mich aus, definiert mich. Mich über Ausdrücke wie „man“ oder „die Mitarbeiter“ aufzuregen, reduziert meine Toleranzgrenze auf nur einen Teil meiner Persönlichkeit. Daher stehe ich der zwanghaften und eifrigen Anpassung alteingesessener Wörter und Ausdrücke skeptisch gegenüber.

Ich fühle mich durchaus angesprochen, wenn es um „Lieber Patient“, um „Liebe Kollegen“ oder „Liebe Mitglieder“ geht. Meine Weiblichkeit wird damit nicht angegriffen. Sie wird damit auch nicht unterstrichen, das merke ich schon. Aber meine Weiblichkeit fordert keine Aufmerksamkeit in diesem Bereich. Bestätigung und Anerkennung erfährt sie durch andere Dinge, wie zum Beispiel durch die ganz einfache Erkenntnis, dass Gott sie genau so wunderbar geschaffen hat, wie sie ist. Und nicht durch jemanden, der*die sie in seiner*ihrer Anrede berücksichtigt.

Natürlich ist es erschreckend, wie sehr die deutsche Sprache „männlich“ geprägt wurde und dass Frauen lange Zeit weniger (bis gar keine) Rechte hatten. Und es liegt sicherlich in jeder feministischen Natur, dass diese Rechte im Ganzen nun eingefordert werden, dass jeder noch kleine Aspekt berücksichtigt wird. Ich finde aber, dass man*frau sich auch einfach ein Beispiel am englischen nehmen kann: Dort gibt es dieses ganze männlich*weiblich Gedöns nicht. Und es vermisst auch niemand. Und es fordert auch niemand ein. Daher mein Vorschlag: Dem ganzen nicht so viel Gewichtung zugestehen. Das ganze etwas entspannter sehen. Nicht hinter jedem „Gender-Faux Pas“ ein Anschlag auf das eigene Geschlecht vermuten. Und das Gender-Sternchen nicht in jeder Situation zwanghaft einfordern. Sonst besteht unsere geschriebene Sprache bald nur noch aus ***. ✿