Bist du Jäger oder Gejagter?

Der Mensch, als Ende der Nahrungskette und Krone der Schöpfung, ist ein Jäger: Ob Schnäppchen, Anerkennung, Beförderung oder Liebe – nach allem wird gejagt. Mit den Jahrhunderten hat der Mensch seine Jagdtechniken verfeinert, verbessert, perfektioniert. Was einst Pfeil und Bogen waren, sind heute Charme, Skrupellosigkeit, Humor und Aussehen. Du kannst alles erreichen, alles werden, alles besitzen, wenn du nur „richtig“ jagst.

Ich mag Tiere wirklich sehr gerne und kann es nicht gut mit ansehen, wenn eins stirbt oder geschlachtet wird. Aber wenn ein Spitzenprädator seine Beute jagt, schnappt und tötet bin ich – ich geb’s ja zu! – echt fasziniert. Die Mischung aus Kraft, Schnelligkeit, Präzision und Fokussierung löst bei mir tiefe Bewunderung aus. Wer wollte nicht auch schon mal ein Löwe, ein Adler oder ein Hai sein?! Ein Jäger, der scheinbar mühelos und zielgenau seine Krallen oder Zähne in das Opfer schlägt, um dann für mehrere Tage davon zu zehren. Niemand möchte die Beute sein, das Fluchttier, der Pechvogel.

Nochmal zurück zum Menschen: er muss nicht (mehr) jagen, um zu überleben. Er hat sich die Erde untertan gemacht, sie bezwungen. Was ja auch Vorteile hat: Essen finden wir im Supermarkt unserer Wahl, Kleidung wird von anderen Menschen für uns hergestellt und mit Geld können wir uns eigentlich sowieso alles leisten. Aber warum jagt der Mensch denn immer noch, obwohl er es nicht müsste? Liegt es in seiner Natur? Oder ist er eigentlich der Gejagte, der in seiner Angst und Flucht zum Jäger wird, damit er wenigstens ein bisschen Kontrolle und Macht über etwas hat?

Was ist denn mit der ganzen Werbung, den vielen Versprechungen, dem übertriebenen Konsum? Wo kommen denn das Verlangen nach immer Mehr und die Gier nach Befriedigung her? Wieso sind wir nie zufrieden mit dem, was wir haben, wie wir sind und wie wir leben? Die Jagd nach Erfolg, nach Anerkennung, Reichtum, Schönheit und Erfüllung ist anstrengend und fordert irgendwann ihren Tribut. Uns jagen der Zeitgeist, der Druck der Gesellschaft und die oft viel zu hohen Anforderungen an uns selbst, bis sie uns schnappen und in den Tod reißen.

Bist du Jäger oder Gejagter? ✿

Believer

Es gibt Lieder, die hat man irgendwann fertig gehört. Die will man dann auch nicht wieder hören. Und ein Ohrwurm von ihnen ist eine Plage. Auf der anderen Seite gibt es meist das eine Lied, was einem nicht aus dem Kopf geht und was einem auch nach dem 576. Mal hören immer noch gut gefällt. Bei mir ist das seit langem der Song „Believer“ von Imagine Dragons.

Nachdem ich mich intensiver mit dem Text beschäftigt habe, muss ich sagen, dass mir das Lied noch mehr gefällt. Es hat mehr Tiefe, als man es eh schon bei dem Titel „Believer“ erwartet. Dan Reynolds (Frontman und Liedschreiber) verarbeitet hier seine chronische Rheumaerkrankung Morbus Bechterew. Er singt, dass seine größten Stärken aus seiner Schwäche (also der Krankheit) entstanden sind und dass sie ihm zu einem „Believer“ – einem Gläubigen – gemacht habe. Seine Leiden gaben ihm „Disziplin, Dankbarkeit und Barmherzigkeit“ (vgl. Bunte.de, Interview vom 17.03.17).

Was für ein Vorbild! Wie stark, dass Reynolds nicht an seiner Krankheit zerbricht, sondern seinen Halt bei Gott sucht – und offensichtlich findet. „Mein Leben, meine Liebe, mein Gott, sie entstanden aus dem Schmerz!“ So singt er im Chorus. Diese Zuversicht und Gewissheit ist erstrebenswert.

„First things first I’ma say all the words inside my head
I’m fired up and tired of the way that things have been, oh-ooh.
The way that things have been, oh-ooh.
Second thing second don’t you tell me what you think that I can be.
I’m the one at the sail, I’m the master of my sea, oh-ooh.
The master of my sea, oh-ooh.
I was broken from a young age.
Taking my sulking to the masses.
Writing my poems for the few
that looked at me, took to me, shook to me, feeling me.
Singing from heartache from the pain.
Take up my message from the veins.
Speaking my lesson from the brain,
seeing the beauty through the …
Pain!
You made me a, you made me a believer, believer.
Pain!
You break me down, you build me up, believer, believer.
I let the bullets fly, oh let them rain.

My life, my love, my God, it came from …
Pain!
You made me a, you made me a believer, believer.“