Der Gott der Zwerge

Für alle, die unseren Meerschweinchen-Zuwachs in den letzten zwei Wochen mitverfolgt haben: Es gibt eine traurige und eine schöne Nachricht. Die traurige ist: Dr. Watson und Sauron leben nicht mehr. Die schöne Nachricht: Vrakas und Sir William haben ein neues Zuhause bei uns gefunden! Sie sind kein Ersatz, sondern einfach zwei neue Schweine in der Sippe. Und die zwei „alten“ Schweine vermissen wir und werden es wohl auch noch lange tun. Obwohl sie nur zwei Wochen bei uns waren.

Dinge, die ich aus den letzten 4 Tagen mit zwei Todesfällen gelernt habe:
+ Tierärzte sind auch nur Menschen + Soulmusik passt einfach immer zu einer Beerdigung + auch ein Doktortitel kann nicht vor dem Tod retten + mein Mann ist emotionaler, als ich dachte + es gibt eine Art Meerschweinchen-Lähmung + jeder braucht Liebe und Geborgenheit +

Dinge, die ich mir für die Zukunft wünsche:
+ Keine Einschläferungen mehr + Zufütterung mit der Spritze ist scheiße + Harmonie mit den Meerschweinchen-Omas + Geld nur noch für Heu und Futter ausgeben müssen + ein langes Leben für 4 supercoole Tiere +

Vrakas bedeutet „Gott der Zwerge“, was ich wirklich passend für einen kleinen behaarten Kerl finde (Bild: links). Und Sir William (rechts) wird einfach nur aufgrund seines Titels automatisch von allen höflicher behandelt – ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Bevorzugung des Adels befürworte, aber ich glaube für ein einjähriges Meerschweinchen ist das okay. Ich klär das noch mit meinem Gewissen.

Nun haben wir also 2 Meerschweinchen-Ladys, 2 Meerschweinchen-Jungs und zwei Meerschweinchen-Gräber. Ich hatte mir das alles sehr anders vorgestellt, nehme das aber hin und verarbeite noch den Schock. RIP mein kleiner Dr. Watson und mein süßer Sauron. Ihr werdet uns fehlen. ✿

Noch meer Schweine!

Man glaubt es kaum, aber die Kleinanzeige vom 26. Oktober hat geholfen! Wir haben nun zwei Jungs zu unseren zwei Meerschweinchen-Omas bekommen. Allerdings nicht, weil sie Kinder bekommen sollen (was sie aber sehr sehr gerne tun würden, es ist viel sexuelle Spannung in der Luft!), sondern weil die zwei im Tierheim auf ein neues Zuhause gewartet haben. Ja, ich geb’s zu: Es war nicht die Kleinanzeige, sondern mein Meerschweinchen-Mama-Spürsinn. Der hat meinem Mann und mir nun eine kleine Meerschweinchen-Sippe beschert.

Bald werden die zwei Jungs allerdings nicht mehr so ganz Jungs sein. Das tut mir ein bisschen leid, schön wird das nicht. Aber danach können wir die 4 endlich zusammen lassen. Dann dürfen sie den extra größer (selbst)gebauten Stall genießen! Und es gibt dann hoffentlich keine kleinen Überraschungen.

Die Namen durfte der Meerschweinchen-Papa aussuchen (ja, mittlerweile sieht er sich als solcher!). Dabei raus gekommen sind Sauron (links) und Dr. Watson (rechts). Sauron, aus Tolkiens Fantasy-Welt, bedeutet so viel wie „der Abscheuliche“, „der Grausame“. Passt also perfekt zu einem kleinen, 600 Gramm schweren, braun-weiß gemusterten, in Fellhaaren verschwinden Meerschweinchen. Und Dr. Watson, der als Freund und Begleiter des Genies Sherlock Holmes bekannt ist, fungiert in dieser Meerschweinchen-Männer-Freundschaft als der knubbelige kleine zerzauste Idiot, natürlich ganz liebevoll gemeint. Manchmal frage ich mich, ob er nicht eher eine Mischung aus Eichhörnchen und Stinktier ist …

Nun brauchen wir also Gemüse und Heu für 4 hungrige Mäuler. Aber das ist es wert. Denn wenn ich morgens noch etwas verschlafen ins Wohnzimmer torkle und dort das sehnsuchtsvolle Fiepen und Quieken ertönt, dann fühl ich mich sehr wohl und freue mich über meine kleinen Meerschweinchen-Kinder. Das, und der Heu-Geruch ist für mich Heimat. Und das möchte ich nicht mehr missen. ✿

Meer als nur Schweine

Wir haben zwei Meerschweinchen: Daisy (links) und Fienchen (rechts). Sie sind schon Omas, weil sie beide 4 1/2 Jahre alt sind. In Menschenjahren umgerechnet wären das ca. 65 Jahre. Kinder oder Enkelkinder hatten sie allerdings in ihrem Leben bisher nicht. Aber wer weiß, was so ein Meerschweinchen den ganzen Tag tut, wenn wir arbeiten sind?!

Ich stelle es mir ein bisschen wie in dem Animationsfilm „Pets“ (Illumination Entertainments) vor: Dort erleben ein paar verschiedene Haustiere in New York spektakuläre Abenteuer, um dann abends wieder schwanzwedelnd und freudestrahlend das Herrchen/Frauchen zu begrüßen. So machen unsere zwei Omis das sicherlich auch – nur nicht ganz so ausschweifend. Wobei ich mir auch echt nicht vorstellen kann, dass sie jemals ihren Käfig verlassen würden, denn die eine ist zu dick dafür und die andere zu ängstlich. Vielleicht sollte ich für Forschungszwecke mal eine Kamera aufstellen …

So ein Meerschweinchen-Haustier-Dasein besteht in der Regel nur aus Essen und Schlafen und Kacken. Bei gutem Wetter geht Frauchen auch schon mal mit ihnen auf die Wiese. Aber auch hier: Fressen und Kacken. Richtig entspannt! Ein Schwein müsste man sein. Allerdings ist so ein Fluchtinstinkt auch echt nervig! Jedes Mal wenn etwas für die zartbesaiteten Meerschweinchen-Ohren zu laut, zu schrill, zu klimpernd, zu plötzlich, ganz einfach zu anders ist, als sie es gewohnt sind, dann rennen beide wie auf Kommando ins Häuschen und verharren dort eine Weile in Schock-Starre. Meist kommt Daisy zuerst wieder raus. Die Schwester lässt sich noch ein bisschen Zeit, der vermeintliche Greifvogel könnte ja noch nicht aus unserer Wohnung verschwunden sein.

Solange die beiden sich nicht in voller Lautstärke zoffen oder aufs Sofa pinkeln, sind sie wirklich goldig. So langsam verstehe ich die Eltern, die voller Stolz Bilder ihrer Kinder rumzeigen. Ich als stolze Meerschweinchen-Mama bin mir nicht zu schade, das der ganzen Welt zu zeigen! Und wer weiß: Vielleicht lernt eins von den beiden mal ein Männchen kennen, dann bin ich Meerschweinchen-Oma! Hiermit gebe ich eine Kleinanzeige auf:

Suche mänl. Meerschw. jung & dynam., guter Stammb., zeugungsf., für zwei betagt. Meerschw.-Damen, Kost & Logis inbegr., Greifvog. ist keine Gef. ✿