Versprochen ist versprochen

„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ (aus „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ von J. R. R. Tolkien). Ich war noch nie ein großer „Herr der Ringe“-Fan. Ich verstehe einfach nicht, wie man sich 3 Stunden lang anschauen kann, wie Zwerge und Elben und Orks und Hobbits durch den Wald laufen. Das ist irgendwie ein bisschen langweilig. Mir ist bewusst, dass ich hier gerade die gesamte „Herr der Ringe“-Fangemeinde gegen mich aufbringe – sorry Leute! Uuma dela!*

So, aber erstmal genug von Film-Analogien. Kommen wir zum Ernst des Lebens: die Ehe. Manche empfinden sie mit Sicherheit als etwas, das sie knechtet und in das Dunkel treibt. Das ewig gebunden sein erscheint für viele ziemlich negativ. Ich habe das Gefühl, dass sich heute viele Menschen lieber nicht festlegen, sich nicht binden wollen. Das bezieht sich nicht nur auf die Ehe, sondern auch auf Mitgliedschaften in Vereinen oder Gemeinden, auf Versicherungen, auf monogame Beziehungen, auf ein Geschlecht, auf eine Religion … Die Liste ist lang. Es scheint ein erstrebenswerter Status zu sein, wenn man freigeistig, unbestimmt, eben ungebunden durchs Leben geht. Der andere Teil der Bevölkerung wirkt dagegen intolerant, engstirnig oder langweilig.

Der aufmerksame Leser (An dieser Stellen einen lieben Gruß und ein herzliches „Danke“ an alle, die meinen Blog lesen!) wird mittlerweile wissen, dass ich verheiratet bin und meinen Prinzen gefunden habe. Die ganz fuchsigen unter euch können sogar an dem Beitragsbild erkennen, wann ich geheiratet habe. Und die Brains kennen auch den Namen des Bräutigams … Auf jeden Fall habe ich ein Versprechen gegeben, mich gebunden, bis dass der Tod uns scheide. Bin ich naiv oder realistisch?

Der Titel dieses Blogeintrags geht ja eigentlich noch weiter: „Versprochen ist versprochen und wird auch nie gebrochen.“ Wie kann ich sicher sein, dass ich mein Versprechen der ewigen Liebe und Zugehörigkeit nie brechen werde? Gar nicht, denn: Ich bin auch nur ein Mensch. Aber daran möchte ich mich nicht aufhalten, nicht darüber verzweifeln oder mir Sorgen machen. Sondern den Fokus darauf lenken, was es für ein Privileg ist, wenn mir jemand dieses Versprechen gibt – und ich es aus tiefsten Herzen erwidern kann! Das ist die Krönung, das schönste Geschenk, das man seinem Partner/seiner Partnerin machen kann! Es fühlt sich mega gut an!

Für mich ist das „sich ewig binden“ nichts negatives, es macht mich zu einem Menschen, der gerne daran arbeitet, seine Versprechen einhalten zu können. Und es macht mich intolerant bei den Punkten, bei denen das nötig ist. Und es zeigt mir meine Prioritäten, nicht nur auf die Ehe bezogen. Es macht mich erwachsen. ✿

*Elbisch für „nicht böse sein“

Prinzessin

Jedes Mädchen wünscht sich einen Prinzen, der sie (auf einem stattlichen Ross) vor dem Drachen retten, sie wach küsst und ihren verlorenen Schuh findet. Einen Prinzen, der sie auf Händen trägt, ihr Balladen singt und schreibt und sie mit roten Rosen überhäuft. Und natürlich am Ende heiratet. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ich wollte sowas auch immer: Einen Prinzen kennen lernen, der mich dann vor irgendwas (einem Drachen?…) rettet oder meine Schuhe wiederfindet, und dann heiraten wir mit Kutsche, Blumenregen und allem Drum und Dran. Das Heiraten kann ich von meiner „Prinzessinnen-To-Do-Liste“ abhaken. Aber was ist mit dem Prinzen?

Ein Prinz hat neben den positiven Eigenschaften (stark sein, reiten können, Drachen besiegen) auch so seine Schwächen. Natürlich nicht in den Disney-Filmen, die ja völlig realitätsfern und unantastbar sind – weswegen ich Disney-Filme auch so liebe! Aber im echten Leben sind diese „Prinzen“ nicht das, was man sich als Mädchen vorgestellt hat. Sie pupsen und rülpsen, sie schnarchen und rotzen, sie sind vergesslich und hören nicht immer zu. Sie sind manchmal animalisch, wenn es ums Jagen oder Schießen geht und sie haben Triebe, die sich für eine Prinzessin nicht ziemen.

Nun muss ich hier mal klar stellen: Außerhalb meiner „Disney-Prinz-Blumenregen-Mädchen-Traum“-Welt zähle ich mich nicht (mehr) zu den Prinzessinnen. Ich erwarte von meinem „Prinzen“ nicht, dass er gegen einen Drachen kämpft, nur damit ich beeindruckt bin. Ich erwarte auch nicht, dass er reiten kann oder mich wach küsst. Ich möchte, dass er sich bei mir wohlfühlt, dass er mir von seinem stressigen Arbeitstag erzählt und dass er mich in den Arm nimmt, wenn ich traurig bin.

Wie schön ist es doch, wenn es nicht nur darum geht, dass wir Mädels erobert werden, sondern wenn wir uns zusammen mit dem „Prinzen“ eine Heimat aufbauen. Prinzessin sein bedeutet für mich Selbstaufgabe, blindes Vertrauen, Fürsorge und Freundlichkeit meinerseits. Trotzdem freue ich mich natürlich darüber, dass ich einen persönlichen Drachen-Bekämpfer zu Hause habe. ✿