Explore the World

Weltenbummler, Abenteurer, Fernweh, Reiselust und Sehnsucht. Die Welt entdecken – explore the World. Eine halbe Stunde bis zur Landeshauptstadt, 14 Stunden bis Thailand und „in 80 Tagen um die Welt“. Großstädte, kleine Dörfer, Küste, Berge, Seen. Atlantik, Pazifik, Nord- und Südpol. Noch nie war die Welt so vernetzt und so greif- und erreichbar wie heute. Bald wird sie zu klein, zu „entdeckt“ sein, sodass die ersten Touristen auf dem Mond Urlaub machen können.

„Du fragst, warum ich noch nie lange von zu Hause weg war und auch im Urlaub ungern länger als drei Wochen wegfahr‘.“ Das sangen die Wise Guys in ihrem Song „Weil ich ein Kölner bin“ im Jahr 2004. Schon damals konnte ich mich damit identifizieren: Ich fahre zwar gerne in den Urlaub, es muss aber nicht länger als drei Wochen sein. Ich entdecke gerne andere Städte, fühle mich aber in meiner Wohnung am wohlsten. Fernweh ist bei mir nicht so ausgeprägt wie Heimweh.

Meine Auslandsaufenthalte beschränkten sich bisher auf Italien, Holland, Nordirland, Dänemark, Frankreich und Norwegen. Und das auch alles nur für kurze Zeit, immer mit Urlaub verbunden. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht gerne Englisch spreche und mich einfach wohler fühle, wenn ich in meiner Muttersprache nach einer Apotheke frage. Oder an meinem schlechten (kaum vorhandenen) Orientierungssinn, der mir in fremden Städten und Regionen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Oder es liegt ganz einfach daran, dass ich gerne zu Hause bin. An dem Ort, wo ich genau weiß, wo was ist, wo ich mich so geben kann, wie ich bin, wo das Geräusch von zwei zufriedenen Meerschweinchen und der Geruch von Geborgenheit meinen Sinnen das Zeichen geben: Es ist alles gut, du bist in Sicherheit. Ich muss nicht die Welt exploren, um zu wissen, wo ich hingehöre. „Home is, where the heart is.“ Und mein Herz ist eindeutig am heimischen Küchentisch. ✿

 

Mein Fahrrad und ich

Jeden morgen (wenn das Wetter es zulässt) fahre ich mit meinem Fahrrad zur Arbeit. Diese 15 Minuten Radelsport helfen mir beim wach werden und den Tag mit Energie zu starten. Soweit jedenfalls die Theorie.

Wie es wirklich aussieht: Ich fahre schwitzend gefühlt den Mount Everest gleich zweimal hoch, sämtliche Rad-Kollegen überholen mich (auch die ohne E-Bike), meine Geschwindigkeitsanzeige macht mir deutlich, dass ich die Hälfte der Strecke unter dem Durchschnitt liege (Durchschnitt der Tour de France oder wie?) und Schildkröten laufen neben mir her. Die Minions auf meiner Fahrradklingel lächeln fröhlich und die Blumen am Fahrradkorb wackeln entspannt im Wind. Und ich hechel, schwitze und stöhne.

Wenn ich dann endlich bei der Arbeit ankomme, sind 8 Stunden Arbeitstag gefühlsmäßig schon rum. Der Ventilator steht bereit und ein Schweißtuch ist auch schnell zur Hand. Warum tue ich mir das nochmal jeden Morgen an?

Achja: Es tut mir gut zu wissen, dass ich regelmäßig etwas für meine Beweglichkeit tue und mich auf Trab halte. Und es macht mir tatsächlich Spaß! Trotz der sich im Mund verirrten Fliegen und der demotivierenden Geschwindigkeitsanzeige, ist mein morgendlicher Fahrradweg wunderschön: Man schaut über die Ruhr auf grüne Waldhänge, manchmal steht ein Reh am Wegrand und die Sonne geht gerade auf. Das möchte ich nicht missen – denn DAS hilft mir wirklich beim wach werden.

Und einen Trost gibt es: Der Rückweg geht fast nur bergab. ✿