Believer

Es gibt Lieder, die hat man irgendwann fertig gehört. Die will man dann auch nicht wieder hören. Und ein Ohrwurm von ihnen ist eine Plage. Auf der anderen Seite gibt es meist das eine Lied, was einem nicht aus dem Kopf geht und was einem auch nach dem 576. Mal hören immer noch gut gefällt. Bei mir ist das seit langem der Song „Believer“ von Imagine Dragons.

Nachdem ich mich intensiver mit dem Text beschäftigt habe, muss ich sagen, dass mir das Lied noch mehr gefällt. Es hat mehr Tiefe, als man es eh schon bei dem Titel „Believer“ erwartet. Dan Reynolds (Frontman und Liedschreiber) verarbeitet hier seine chronische Rheumaerkrankung Morbus Bechterew. Er singt, dass seine größten Stärken aus seiner Schwäche (also der Krankheit) entstanden sind und dass sie ihm zu einem „Believer“ – einem Gläubigen – gemacht habe. Seine Leiden gaben ihm „Disziplin, Dankbarkeit und Barmherzigkeit“ (vgl. Bunte.de, Interview vom 17.03.17).

Was für ein Vorbild! Wie stark, dass Reynolds nicht an seiner Krankheit zerbricht, sondern seinen Halt bei Gott sucht – und offensichtlich findet. „Mein Leben, meine Liebe, mein Gott, sie entstanden aus dem Schmerz!“ So singt er im Chorus. Diese Zuversicht und Gewissheit ist erstrebenswert.

„First things first I’ma say all the words inside my head
I’m fired up and tired of the way that things have been, oh-ooh.
The way that things have been, oh-ooh.
Second thing second don’t you tell me what you think that I can be.
I’m the one at the sail, I’m the master of my sea, oh-ooh.
The master of my sea, oh-ooh.
I was broken from a young age.
Taking my sulking to the masses.
Writing my poems for the few
that looked at me, took to me, shook to me, feeling me.
Singing from heartache from the pain.
Take up my message from the veins.
Speaking my lesson from the brain,
seeing the beauty through the …
Pain!
You made me a, you made me a believer, believer.
Pain!
You break me down, you build me up, believer, believer.
I let the bullets fly, oh let them rain.

My life, my love, my God, it came from …
Pain!
You made me a, you made me a believer, believer.“

Prinzessin

Jedes Mädchen wünscht sich einen Prinzen, der sie (auf einem stattlichen Ross) vor dem Drachen retten, sie wach küsst und ihren verlorenen Schuh findet. Einen Prinzen, der sie auf Händen trägt, ihr Balladen singt und schreibt und sie mit roten Rosen überhäuft. Und natürlich am Ende heiratet. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ich wollte sowas auch immer: Einen Prinzen kennen lernen, der mich dann vor irgendwas (einem Drachen?…) rettet oder meine Schuhe wiederfindet, und dann heiraten wir mit Kutsche, Blumenregen und allem Drum und Dran. Das Heiraten kann ich von meiner „Prinzessinnen-To-Do-Liste“ abhaken. Aber was ist mit dem Prinzen?

Ein Prinz hat neben den positiven Eigenschaften (stark sein, reiten können, Drachen besiegen) auch so seine Schwächen. Natürlich nicht in den Disney-Filmen, die ja völlig realitätsfern und unantastbar sind – weswegen ich Disney-Filme auch so liebe! Aber im echten Leben sind diese „Prinzen“ nicht das, was man sich als Mädchen vorgestellt hat. Sie pupsen und rülpsen, sie schnarchen und rotzen, sie sind vergesslich und hören nicht immer zu. Sie sind manchmal animalisch, wenn es ums Jagen oder Schießen geht und sie haben Triebe, die sich für eine Prinzessin nicht ziemen.

Nun muss ich hier mal klar stellen: Außerhalb meiner „Disney-Prinz-Blumenregen-Mädchen-Traum“-Welt zähle ich mich nicht (mehr) zu den Prinzessinnen. Ich erwarte von meinem „Prinzen“ nicht, dass er gegen einen Drachen kämpft, nur damit ich beeindruckt bin. Ich erwarte auch nicht, dass er reiten kann oder mich wach küsst. Ich möchte, dass er sich bei mir wohlfühlt, dass er mir von seinem stressigen Arbeitstag erzählt und dass er mich in den Arm nimmt, wenn ich traurig bin.

Wie schön ist es doch, wenn es nicht nur darum geht, dass wir Mädels erobert werden, sondern wenn wir uns zusammen mit dem „Prinzen“ eine Heimat aufbauen. Prinzessin sein bedeutet für mich Selbstaufgabe, blindes Vertrauen, Fürsorge und Freundlichkeit meinerseits. Trotzdem freue ich mich natürlich darüber, dass ich einen persönlichen Drachen-Bekämpfer zu Hause habe. ✿