Noch meer Schweine!

Man glaubt es kaum, aber die Kleinanzeige vom 26. Oktober hat geholfen! Wir haben nun zwei Jungs zu unseren zwei Meerschweinchen-Omas bekommen. Allerdings nicht, weil sie Kinder bekommen sollen (was sie aber sehr sehr gerne tun würden, es ist viel sexuelle Spannung in der Luft!), sondern weil die zwei im Tierheim auf ein neues Zuhause gewartet haben. Ja, ich geb’s zu: Es war nicht die Kleinanzeige, sondern mein Meerschweinchen-Mama-Spürsinn. Der hat meinem Mann und mir nun eine kleine Meerschweinchen-Sippe beschert.

Bald werden die zwei Jungs allerdings nicht mehr so ganz Jungs sein. Das tut mir ein bisschen leid, schön wird das nicht. Aber danach können wir die 4 endlich zusammen lassen. Dann dürfen sie den extra größer (selbst)gebauten Stall genießen! Und es gibt dann hoffentlich keine kleinen Überraschungen.

Die Namen durfte der Meerschweinchen-Papa aussuchen (ja, mittlerweile sieht er sich als solcher!). Dabei raus gekommen sind Sauron (links) und Dr. Watson (rechts). Sauron, aus Tolkiens Fantasy-Welt, bedeutet so viel wie „der Abscheuliche“, „der Grausame“. Passt also perfekt zu einem kleinen, 600 Gramm schweren, braun-weiß gemusterten, in Fellhaaren verschwinden Meerschweinchen. Und Dr. Watson, der als Freund und Begleiter des Genies Sherlock Holmes bekannt ist, fungiert in dieser Meerschweinchen-Männer-Freundschaft als der knubbelige kleine zerzauste Idiot, natürlich ganz liebevoll gemeint. Manchmal frage ich mich, ob er nicht eher eine Mischung aus Eichhörnchen und Stinktier ist …

Nun brauchen wir also Gemüse und Heu für 4 hungrige Mäuler. Aber das ist es wert. Denn wenn ich morgens noch etwas verschlafen ins Wohnzimmer torkle und dort das sehnsuchtsvolle Fiepen und Quieken ertönt, dann fühl ich mich sehr wohl und freue mich über meine kleinen Meerschweinchen-Kinder. Das, und der Heu-Geruch ist für mich Heimat. Und das möchte ich nicht mehr missen. ✿

Zu Hause

Wo gehöre ich hin? Die Frage nach der Zugehörigkeit ist für viele (gerade junge) Leute heutzutage gar nicht so leicht zu beantworten. In einer Welt voller Möglichkeiten fällt eine Entscheidung oft schwer. Die Tradition, dass man „für immer“ an einem Ort wohnen bleibt (z. B. aufgrund des Bauernhofes oder der Werkstatt der Familie), gibt es nicht mehr. Jeder kann überall hin, überall wohnen, sich ein eigenes Leben aufbauen. Was ja auch nicht verwerflich ist. Explore the World!

Doch wäre es nicht gesünder, wenn jeder Mensch ein Zuhause hätte? Einen Ort, an dem er aufgewachsen ist, wo die Nachbarn ihn grüßen und er alles wie seine Westentasche kennt? Ich kann da kein Lied von singen: Durch den Beruf meines Vaters sind wir oft umgezogen. Ein „Elternhaus“ kenne ich leider nicht. Ich wohne mittlerweile in der 8. Stadt. Manchmal bin ich froh darüber, dass ich es „gelernt“ habe, umzuziehen. Das hat es mir mit der Zeit immer leichter gemacht, eine Struktur in den Vorgang zu bringen und mich mental darauf vorzubereiten. Und andererseits wünsche ich mir oft, dass es einen Ort/ein Haus gäbe, an oder in dem ich aufgewachsen wäre. Ein „nach Hause kommen“ im bildlichen Sinn.

In der Bibel in Hebräer 13 Vers 14 steht: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Wie treffend! Die Welt, mein irdisches Zuhause, mein Leben ist nur ein Durchgang, eine vorübergehende Zeit, eine temporäre Phase. Ich glaube, dass Gott uns den Wunsch nach Zuhause, nach Familie, nach lieben Menschen ins Herz gelegt hat. Wir sollen uns hier wohlfühlen, sesshaft werden und ein Teil dieser Welt sein. Und doch: Das Ziel sollen wir nicht aus den Augen verlieren. Der Himmel, bei Gott sein, die Ewigkeit genießen – das ist es, was mich ganz ausfüllen wird und was mir hier auf Erden an Zugehörigkeit fehlt.

Wo gehöre ich hin? Eine spannende Frage. Meine Antwort: Ich gehöre hier auf Erden an den Ort, an den Gott mich stellt. Dort möchte ich mit ganzem Herzen und mit aller Kraft ihm dienen und mein von ihm geschenktes Leben genießen. Gleichzeitig freue ich mich schon auf den finalen Umzug, wenn es dann in den Himmel geht – denn da bin ich zu Hause. ✿

Wenn ich groß bin …

… werde ich Bäuerin. Das war mein Berufswunsch für später, ungefähr zu Grundschulzeiten. Dieser Wunsch änderte sich im Laufe der Jahre immer wieder und immer in die verschiedensten Richtungen: Tierärztin, Grundschullehrerin, Sozialarbeiterin, Tante-Emma-Laden-Besitzerin, Logopädin. Es wurde dann Medienkauffrau Digital & Print. Eher unspektakulär im Gegensatz zu den fantastischen Ideen aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Doch was ist aus dem Bäuerin-Wunsch geworden?

Um Bäuerin zu werden, hätte ich einen Bauer heiraten müssen. Das Sendungsformat „Bauer sucht Frau“ kam für mich nie in Frage, da ich es menschenverachtend und als fremdschämend empfinde… Natürlich hätte ich mich da niemals beworben! Und ich muss zugeben, dass ich nicht aktiv nach einem Bauer gesucht habe. Da hatten andere Kriterien Vorrang, wie z. B. Glaube, Charakter, Lebenseinstellung und -träume oder der Umgang mit anderen Menschen. Ich bin einen Großteil meines Lebens in einer Großstadt aufgewachsen, da ist mein „Bäuerin-Dorflife-Kindheitswunsch“ irgendwie im Sand verlaufen.

Doch – wie kann es anders sein – lernte ich ein Landei kennen und lieben. Er hat keinen eigenen Bauernhof, kommt aber aus einer 1300-Seelen-Dorfgemeinschaft und möchte gerne später mal mitten im Wald in einem einsamen Häuschen wohnen, mit einem großen Grundstück für Tiere. Zufall? Ich glaub kaum. Es hat etwas gedauert, bis ich, als mittlerweile unbestrittenes Großstadtkind, bemerkt habe, dass seine Wohlfühlzone (Dorf, Wald, Tiere, bäuerlich) eigentlich ganz genau zu meiner passt. Dass ich es nur vergessen hatte, was ich mir mal gewünscht habe. Und dass die Großstadt mir mit ihrer Anonymität und ihren unbegrenzten Möglichkeiten nur temporär im jugendlichen Alter zugesagt hatte.

Das Fazit ist: Ich habe meinen „Bauer“ geheiratet und werde mit ihm sicherlich eines Tages aufs Land ziehen, vielleicht mitten in den Wald, auf jeden Fall mit ganz vielen Tieren. Eine Bäuerin werde ich nicht, das hat was mit Berufung und Leidenschaft zu tun, die ich angesichts von Tierhaltung und Milchpreisen nicht sehe. Aber im kleinen Format, vielleicht ein Gnadenhof für alte Tiere, kann ich mir das „Dorflife“ mittlerweile wieder vorstellen. Dafür bin ich meinem Mann sehr dankbar. Und ich freue mich schon auf die Eier der eigenen Hühner. ✿

 

Explore the World

Weltenbummler, Abenteurer, Fernweh, Reiselust und Sehnsucht. Die Welt entdecken – explore the World. Eine halbe Stunde bis zur Landeshauptstadt, 14 Stunden bis Thailand und „in 80 Tagen um die Welt“. Großstädte, kleine Dörfer, Küste, Berge, Seen. Atlantik, Pazifik, Nord- und Südpol. Noch nie war die Welt so vernetzt und so greif- und erreichbar wie heute. Bald wird sie zu klein, zu „entdeckt“ sein, sodass die ersten Touristen auf dem Mond Urlaub machen können.

„Du fragst, warum ich noch nie lange von zu Hause weg war und auch im Urlaub ungern länger als drei Wochen wegfahr‘.“ Das sangen die Wise Guys in ihrem Song „Weil ich ein Kölner bin“ im Jahr 2004. Schon damals konnte ich mich damit identifizieren: Ich fahre zwar gerne in den Urlaub, es muss aber nicht länger als drei Wochen sein. Ich entdecke gerne andere Städte, fühle mich aber in meiner Wohnung am wohlsten. Fernweh ist bei mir nicht so ausgeprägt wie Heimweh.

Meine Auslandsaufenthalte beschränkten sich bisher auf Italien, Holland, Nordirland, Dänemark, Frankreich und Norwegen. Und das auch alles nur für kurze Zeit, immer mit Urlaub verbunden. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht gerne Englisch spreche und mich einfach wohler fühle, wenn ich in meiner Muttersprache nach einer Apotheke frage. Oder an meinem schlechten (kaum vorhandenen) Orientierungssinn, der mir in fremden Städten und Regionen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Oder es liegt ganz einfach daran, dass ich gerne zu Hause bin. An dem Ort, wo ich genau weiß, wo was ist, wo ich mich so geben kann, wie ich bin, wo das Geräusch von zwei zufriedenen Meerschweinchen und der Geruch von Geborgenheit meinen Sinnen das Zeichen geben: Es ist alles gut, du bist in Sicherheit. Ich muss nicht die Welt exploren, um zu wissen, wo ich hingehöre. „Home is, where the heart is.“ Und mein Herz ist eindeutig am heimischen Küchentisch. ✿

 

Lieblingssache

Als Kind hat man immer eine Sache, die man am meisten von allen gleichwertigen Sachen mag, eine „Lieblingssache“. Eine Lieblingsfarbe, ein Lieblingstier, eine Lieblingsfreund/in, ein Lieblingsfach in der Schule oder eine Lieblingseissorte. In einem Poesiealbum werden diese „Lieblingssachen“ haargenau und penibel abgefragt und auch genau so eifrig notiert.

Normalerweise gibt es keine Kategorie „Mein Lieblingsbibelvers“ – soweit ich mich erinnern kann. Und trotzdem hatte ich als Kind einen. Der ist weder ein typischer, noch ein untypischer Lieblingsbibelvers. Einfach ganz gewöhnlich, und er ist wohl auch eher einer Anforderung an mein junges Selbst, nun doch endlich auch aus der Bibel eine „Lieblingssache“ zu haben, entsprungen, als einer tieferen Erkenntnis. Johannes 15,5 sollte es dann also sein:

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Heute begleitet der Bibelvers mich in vielen Situationen meines Lebens. Er lässt in mir viele Erinnerungen an viele schöne Begegnungen und Ermutigungen wach werden. Deshalb hat er auch so einen „Heimat“-Geschmack, der automatisch aufkommt, sobald ich den Vers irgendwo höre oder lese. Und diese Abhängigkeit von Jesus ist für mich nicht eine Bevormundung, sondern mein Privileg viel Frucht bringen zu dürfen. Ohne ihn kann ich (und will ich) nichts tun. ✿