Wer hat schon Zeit? Teil 3

„Du kannst doch nicht drei Blogeinträge hintereinander mit dem gleichen Titel bezeichnen! Das ist unprofessionell und zeugt von Kreativlosigkeit.“ Stimmt. Da hat die Stimme in meinem Kopf irgendwie recht. Aber andererseits (versuche ich mir einzureden) zeugt die Wiederholung der Titelzeile von einer rhetorischen Brillanz: Mir ist das Thema Zeit einfach SO wichtig, dass ich es mehrfach benennen und durchdenken muss. Und um das deutlich zu machen, nutze ich den gleichen Titel … Es ist hoffnungslos: Ich bin einfach unkreativ, befürchte ich. Aber was soll’s: Das Thema ist es indes nicht!

Über den letzten Blogeintrag sprach ich mit einer sehr geschätzten Arbeitskollegin. Sie merkte an, dass „Keine Zeit haben“ auch positiv sein kann: Sie könnte gefüllt sein mit wertvollen Begegnungen, Aktivitäten und Erfahrungen. Daher möchte ich meine Aussage aus dem letzten Artikel nicht zurücknehmen, aber verändern: „… Aber ‚keine Zeit haben‘ ist in meinen Augen [fast unmöglich.] sehr schade.“ Mir ist wichtig, dass klar wird, wie ich das meine: Zeit sollte man sich für die wichtigen Dinge/ Menschen/ Situationen nehmen. Und wenn das nicht klappt, weil man so gestresst ist und so viele Termine und Verpflichtungen hat, dann ist das tragisch. Aber wenn das nicht klappt, weil man so viele tolle Sachen unternimmt und für sich selbst Zeit einplant, dann ist das völlig okay!

Die bereits erwähnte Kollegin gab mir auch die Idee, das Thema „Quality-Time“ anzusprechen. Die Qualität der Zeit ist viel wichtiger als die Quantität, so meine Erfahrung. Klar, ein langes Wochenende mit der ganzen Familie mit Übernachtung und ganz viel Zeit ist auch schön. Aber viel wertvoller sind mir die Familiennachmittage, wo es ernste Gespräche und einen wohltuenden Gedankenaustausch gibt. Klar ist es klasse, wenn ich einen ganzen Samstag lang mit meinen Freunden unterwegs bin. Aber wie wertvoll ist doch manchmal ein einziges wichtiges Telefonat – das meine ganze Stimmung wieder aufhellt und mich wieder fröhlich macht.

Ich möchte an dieser Stelle gerne nochmal die Bibel zur Hand nehmen. Im Psalm 31 Vers 16 steht: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Gott kennt mein Leben, meinen Zeitplan und auch den Zeitpunkt, an dem mein Leben mal enden wird. Das tut gut zu wissen, denn wenn mir Termine, Verpflichtungen, Freundschaftspflege, Familientreffen und all das über den Kopf wachsen, dann gibt es da immer noch einen, der alles sieht, alles versteht und alles in der Hand hat. Und mich daran erinnert, was wichtig ist. Und mir Ruhe gönnt und zuspricht. ✿

Ich hatte es geschafft!

Vor 2 Jahren war ich auf einer christlichen Sommerfreizeit in Norwegen. Im Nachhinein eine ziemlich verrückte Idee. Denn es war eine Aktiv-Wandern-Sportlich-sein-Freizeit. Und all das gehört nicht wirklich zu den Dingen, die meinen Lebensstil oder meine Kondition beschreiben. Was Gutes hatte die Freizeit allerdings: Mein damals noch Freund hat mir an einem verregneten und trotzdem sehr romantischen Morgen einen Heiratsantrag gemacht. Das war cool!

Naja gut, ich muss es ja zugeben: Es gab noch mehr gute Erfahrungen, die ich machen durfte – die ich zwar gerne irgendwie anders gelernt hätte, aber was solls … Die Drei-Tages-Tour war so eine Erfahrung: In einer kleinen Gruppe ging es los, 2 Stunden wandern, dann Kanu fahren, dann selbstständig einen Unterschlupf bauen, draußen schlafen, am nächsten Tag dann Kanu zurück, weitere 4 Stunden wandern, wieder einen Unterschlupf bauen, draußen übernachten, zurück wandern und dann halb tot beim Freizeithaus ankommen. Was sich ein bisschen nach Bootcamp anhört, war die beste und spannendste Selbstfindungsphase meines bisherigen Lebens!

Ich bin einfach nicht so der Wanderer. Kanu bin ich vorher auch noch nicht gefahren. Zwei Nächte hintereinander draußen geschlafen habe ich auch noch nie. Und bei dieser Drei-Tages-Tour kam alles zusammen. Ich möchte es nicht leugnen: Ich hatte wirklich Schiss. Und ich war froh über die Möglichkeit, am zweiten Tag „aussteigen“, also mit dem Auto zurückfahren zu können. Es gab Tränen, Muskelkater, Regenschauer, Wasserknappheit und Angst vor Elchen, aber – ich hatte es geschafft! Und darauf darf ich stolz sein.

Spannend, wie sehr die Nähe zur Natur einen Menschen verändern kann. Ich, die ich in einer Großstadt aufgewachsen bin, durfte lernen, wie man Feuer macht, welche Beeren man essen kann, dass Pilze überm Feuer geröstet doch echt lecker sind und wie man einen selbst gefischten Fisch ausnimmt. Das hat mir geholfen, über den Tellerrand zu schauen, meine Grenzen zu erweitern und mir wieder mehr zuzutrauen. Die Erfahrung, auf die Natur angewiesen zu sein, sich ihr ganz hingeben zu müssen und von ihr zu profitieren, hat mich näher zu Gott gebracht. Was für eine fantastische Landschaft er in Norwegen geschaffen hat! Wie wunderbar die wärmende Sonne am morgen im Gesicht zu spüren. Wie herrlich ein Bergsee aussieht, wenn man ihn mit einem Kanu durchquert! Und wie frei man sich fühlen darf, wenn diese Erfahrung in einen Lobpreis übergeht.

Einem Elch sind wir in Norwegen dann doch nicht begegnet. Bin ganz froh drum. ✿