Haar-Urwald

Ich rasiere mir seit dem letzten Winter nicht die Beine. So, jetzt ist es raus. Hat sich angefühlt wie eine Beichte. Nur, dass ich für diese „Sünde“ keine Vergebung benötige, weil es halt einfach kein Verbrechen ist!

Ich habe neulich mit einer Freundin gesprochen, sie meinte, dass sie keine kurze Hose anziehen könnte, weil sie nicht rasiert sei. Das hat mich nachdenklich gemacht. Welcher Idiot hat sich diesen Rasier-Wahn eigentlich ausgedacht?! Klar, die Industrie. In einem Werbespot für Frauen-Rasierklingen wird von einer Frau sanft dahingehaucht: „… Du entscheidest, wie du dich rasierst!“ Und ich denk mir nur „Ja genau, nämlich gar nicht.“ Was für ein kommerzieller Bullshit!

Diese Erkenntnis habe ich noch nicht so lang. Mir war es auch immer unangenehm, wenn meine Beine nicht spiegelglatt und wunderschön aussahen. Aber wer bitte schreibt mir denn vor, was ich als wunderschön empfinde? Niemand darf sich über den Urwald auf meinen Beinen beschweren.

Außerdem: Wenn Gott mich mit Beinhaaren geschaffen hat, wieso dann roden? Die Haare helfen beim Schweiß absondern und verleihen der Haut eine höhere Sensibilität. Und was gibt es schöneres, als ordentlich schwitzen zu können, während sich meine Beine an den Berührungen meines Mannes erfreu… Okay, das ist ein anderes Thema. Aber der Punkt ist hoffentlich klar geworden: Schütz deinen Haar-Urwald! Ist eh viel besser für die Umwelt. ✿

Dschungelbuch

B-Promis, die sich zum Affen machen, indem sie Insekten essen, Spinnen anfassen und in Kuhpisse baden, um einen Stern zu ergattern: Herzlich Willkommen im Dschungelcamp auf RTL. Mal davon abgesehen, was bei dieser Reality-Show alles fake ist (wahrscheinlich alles), erschreckt es mich immer wieder, wie niveaulos und fremdschämend diese Sendung ist. Wie kann man nur da mit machen – und wie kann man das unterstützen, indem man das anschaut??

Okay ja – scheinbar schaue ich das auch, weil ich ja weiß, worum es geht. Sagen wir es so: Man kommt gar nicht drum herum. Bei Facebook oder bei YouTube wird man fast zwangsweise damit konfrontiert, und ja: Ich habe mich eines mir peinlichen Abends auf das Niveau herabgelassen und es sogar ein bisschen genossen. Manchmal braucht man irgendwie eine Portion Fremdschäm, um wieder zu wissen, warum man das einfache bürgerliche Leben gut findet.

Man muss schon sehr verzweifelt sein, wenn man nichts anderes zu tun hat, als beim Dschungelcamp mitzumachen. Der Hilferuf „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ ist ja auch irgendwie dämlich. Man ist weder ein Star, wenn man im Dschungelcamp mitmacht, noch ist man danach ein Star, wenn man den Walk of Shame aus dem Camp raus macht. Ich habe mal irgendwo gelesen: „Wenn man beim Dschungelcamp niemanden kennt, dann hat man im Leben alles richtig gemacht.“ So ist es.

Diese Show zielt auf die Schadenfreude, die Toleranzgrenze des Ekels und der Scham und auch auf eine gewisse Form von Voyeurismus der Zuschauer ab. Und für mich ist das eine Zumutung.
Ich bin froh und stolz darauf, dass ich nicht „Generation Dschungelcamp“ sondern Generation „Dschungelbuch“ bin. ✿