Wenn ich groß bin …

… werde ich Bäuerin. Das war mein Berufswunsch für später, ungefähr zu Grundschulzeiten. Dieser Wunsch änderte sich im Laufe der Jahre immer wieder und immer in die verschiedensten Richtungen: Tierärztin, Grundschullehrerin, Sozialarbeiterin, Tante-Emma-Laden-Besitzerin, Logopädin. Es wurde dann Medienkauffrau Digital & Print. Eher unspektakulär im Gegensatz zu den fantastischen Ideen aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Doch was ist aus dem Bäuerin-Wunsch geworden?

Um Bäuerin zu werden, hätte ich einen Bauer heiraten müssen. Das Sendungsformat „Bauer sucht Frau“ kam für mich nie in Frage, da ich es menschenverachtend und als fremdschämend empfinde… Natürlich hätte ich mich da niemals beworben! Und ich muss zugeben, dass ich nicht aktiv nach einem Bauer gesucht habe. Da hatten andere Kriterien Vorrang, wie z. B. Glaube, Charakter, Lebenseinstellung und -träume oder der Umgang mit anderen Menschen. Ich bin einen Großteil meines Lebens in einer Großstadt aufgewachsen, da ist mein „Bäuerin-Dorflife-Kindheitswunsch“ irgendwie im Sand verlaufen.

Doch – wie kann es anders sein – lernte ich ein Landei kennen und lieben. Er hat keinen eigenen Bauernhof, kommt aber aus einer 1300-Seelen-Dorfgemeinschaft und möchte gerne später mal mitten im Wald in einem einsamen Häuschen wohnen, mit einem großen Grundstück für Tiere. Zufall? Ich glaub kaum. Es hat etwas gedauert, bis ich, als mittlerweile unbestrittenes Großstadtkind, bemerkt habe, dass seine Wohlfühlzone (Dorf, Wald, Tiere, bäuerlich) eigentlich ganz genau zu meiner passt. Dass ich es nur vergessen hatte, was ich mir mal gewünscht habe. Und dass die Großstadt mir mit ihrer Anonymität und ihren unbegrenzten Möglichkeiten nur temporär im jugendlichen Alter zugesagt hatte.

Das Fazit ist: Ich habe meinen „Bauer“ geheiratet und werde mit ihm sicherlich eines Tages aufs Land ziehen, vielleicht mitten in den Wald, auf jeden Fall mit ganz vielen Tieren. Eine Bäuerin werde ich nicht, das hat was mit Berufung und Leidenschaft zu tun, die ich angesichts von Tierhaltung und Milchpreisen nicht sehe. Aber im kleinen Format, vielleicht ein Gnadenhof für alte Tiere, kann ich mir das „Dorflife“ mittlerweile wieder vorstellen. Dafür bin ich meinem Mann sehr dankbar. Und ich freue mich schon auf die Eier der eigenen Hühner. ✿